1517: Mein Gott, Margot! (Jubiläumsjahre der Reformation, Folge 5)

Von Luther-News unterwegs:

 Es ist der 31. Oktober 1517. Gleich wird Martin Luther hier zum ersten Mal seine berühmten 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg nageln. Sie hören vielleicht schon die dumpfen Schlaggeräusche im Hintergrund. Keine Angst, Sie haben noch nichts verpasst. Das ist nur erst das Einhämmern an der Sakristeitür. Das ist nötig, um Mann und Hammer in die richtige Wettkampfspannung zu bringen. Aber gleich wird es ernst werden hier draußen vor der Schlosskirche.
Es haben sich auch illustre Gäste aus aller Welt angesagt, die selber live dabei sein wollen, wenn der Protestantismus mit diesem wunderschönen und einzigartigen Ritus hier seine Geburtsstunde feiert.

Ja, und da kommt jetzt auch schon die erste Kutsche. Für die Ehrengäste hat man vorne auf dem Kirchplatz eigens eine ganze –
Äh, Moment! – Entschuldigung, Sie da, hallo?!
Hallo – den Hammer legen Sie bitte wieder hin, ja?
Nein, den Hammer müssen Sie bitte da vorne liegen lassen, okay?
Doch, definitiv. Das ist so vorgesehen.
Nein, Frau Käßmann, den Thesenanschlag macht immer noch der Reformator selber.
Ja, ich weiß, dass Sie besser aussehen.
Und im Fernsehen besser rüberkommen, natürlich.
Und viel besser erklären können Sie das alles auch. Geschenkt.
Aber das sind nun mal die Thesen von Herrn Luther, und –
Was? Ja, natürlich sage ich: H e r r Luther. Da kann ich doch nichts dafür, dass das ein Mann ist. Soll ich Adonaj sagen oder was?
Ja, dann petzen Sie das eben Ihrer Gleichstellungsbeauftragen. Aber S i e sollten jetzt bitte mal dringend raus da aus dem Zentrum.
Und die Frau mit der Schubkarre neben Ihnen auch, bitte, ja? Wer ist denn das überhaupt?
Ach, das ist Ihre Gleichstellungsbeauftragte.
Und die ganzen Bücher in der Schubkarre?
Sind alles Ihre Bücher. Ah ja.
166 Bücher, wo Margot Käßmann drauf steht. Wow!
Und was wollen Sie damit jetzt hier vor der Wittenberger Schlosskirche?
Stopp, nein! Sie können doch Ihre Bücher jetzt nicht an diese Tür nageln! Dieser Platz ist definitiv reserviert für die weltberühmten Thesen des Reformators!
Ja, ich weiß, dass das olle Kamellen sind, diese Thesen.
Aber, Frau Käßmann, sind Ihre Bücher doch auch, sind wir doch mal ehrlich.
Und überhaupt, Frau Käßmann, mir kommt da gerade eine viel bessere Idee: Sie wollten doch damals immer mal nach Afghanistan, haben Sie gesagt, um mit den Taliban auch mal direkt zu kommunzieren. Bis jetzt haben Sie das ja noch nicht umgesetzt. Ich sag mal: zum Glück nicht umgesetzt. So etwas sollte man definitiv auch nicht machen ohne ein gewisses Training vorher. Aber da kommen doch jetzt gleich diese ganzen Herren von der Spanischen Inquisition. Wie wäre das denn, wenn Sie Ihr ehrgeiziges Taliban-Projekt mit denen hier gleich schon mal ein bisschen vor–
Hey, Frau Käßmann, nicht gleich weglaufen.
Stopp, halt! Frau Käßmann!
War doch nur ein Witz!

Weg ist sie.

Und ihre 166 Bücher liegen immer noch da rum. Die sollte aber jemand lieber jetzt noch ganz schnell wegräumen.
Nicht dass der Luther die in die Finger kriegt.
Am Ende ruft der dann selber noch nach der Spanischen Inquisition…

4 Kommentare

  1. Super. Vor allem der schnelle, kleine Schwenker von Taliban zur Inquisition. Wie immer witzig UND schlau … oder eher andersrum schlau UND witzig.

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