Amerika – oder: It’s time for Tintenfass, Martin

Fatime

Fatime

In meinem letzten Beitrag habe ich dem Luther und seinen Protestanten meine Hilfe als Muslima angeboten, um vielleicht doch noch ein bisschen lebendigen religiösen Pep in sein museales Reformationsjubiläum zu bringen.
Dieses Mal bitte ich selber um Hilfe.

Amerika macht mir Angst: der wandelnde Wutanfall, der da jetzt Präsident wird, ebenso wie die Menschen, die ihn millionenfach gewählt haben.

Auf Migranten und Muslime hat dieser Donald Trump es ja ganz besonders abgesehen. Ein generelles Einreiseverbot für Muslime in die USA hat er angekündigt. In seinem Wahlkampf hat er die muslimischen Eltern eines im Irak-Krieg gefallenen US-Soldaten verhöhnt, weil die Frau eine Kopftuch anhatte. Jetzt nach seinem Wahlsieg trauen sich viele meiner Schwestern in Amerika schon nicht mehr, ihren Hidschab zu tragen, und die Anschläge auf Moscheen und die Übergriffe auf Muslime nehmen zu. Denn so was ist ja jetzt hoffähig geworden.

Kommt das jetzt bald auch bei uns?
Was kann man dagegen tun?
Was kann ich tun?

Martin, von dir sagt man doch, du habest den Teufel mit dem Tintenfass bekämpft. Schreibend wie ein Rasender oder werfend wie ein Wütender – was immer gerade nötig war.
Kann der Luther 2.0 das heute nicht auch noch mal machen?
Den Teufel kann man doch nicht einfach machen lassen!
In Amerika nicht, und bei uns auch nicht.
Hast Du noch Tinte in Deinem Fass?
Hast Du noch Deinen unerschrockenen Mut und deine alte Entschlossenheit?
Hast du noch die Sprachgewalt und den Glauben von damals?
Mit weniger wird man wohl nicht ankommen gegen die neuen Wutbürger überall.

Ich weiß, du hast damals auch manchmal mächtig gepoltert gegen „den Türken“ mit deinem Tintenfass, gegen die Juden und gegen manche andere.
Aber ich hoffe, da hat der Luther 2.0 in den letzten 500 Jahren vielleicht doch auch was gelernt.
Du hast es jedenfalls damals geschafft, dem mächtigsten Mann der Welt die Stirn zu bieten, ohne Gewalt, nur mit der Wort deiner Bibel und deiner Schreibfeder.
Zieht der Luther 2.0 mit seinen Christenleuten noch einmal in einen solchen Kampf? Auch gemeinsam mit den Gotteskindern, die zu Allah beten?
Martin, it’s time for Tintenfass!

7 Kommentare

  1. R. Trommer

    Nach dem Willen des neuen US-Präsidenten sollen noch mehr Amerikaner eine Waffe tragen, damit das Land „sicherer“ wird. Ob da ein Tintenfass ausreicht?

  2. Man soll nicht alles verteufeln. So mancher Wutbürger hat recht. Im übrigen: die Tinte ist ausgetrocknet!

  3. Axel Wilms

    Ob das eine gute Idee ist, angesichts der Donaldisierung der Welt nochmal den Geist von Martin L. zu beschwören und aus der Flasche zu lassen? Wer wird dann wohl das Tintenfass an den Kopf kriegen, nicht eher die Hillaries dieser Welt? Es könnte jedenfalls auch heute extrem gefährlich werden und wieder viele Opfer kosten, wenn jetzt zusätzlich auch noch ein Martin L. auf den Plan treten würde. Friedlicher und gemütlicher lebt es sich doch ohne allzu tiefe und heftige Überzeugungen. Das kann sich Fatime ja auch mal überlegen und endlich Ruhe geben.

  4. Ein Tintenfass ist bestimmt nicht verkehrt, aber erst einmal abwarten, was der Neue in Amerika da wirklich vor hat. Die letzten Infos über sein Verhalten zu den Aktionen gegen ihn lassen hoffen – oder doch das Gegenteil?
    Ich weiß noch nicht, was wirklich zu tun ist.

  5. „Gemütlichkeitsbürger“ s. Axel Wilms, haben wir leider zuviele; NICHT wählen, NICHTS glauben, NICHT helfen. Ein funktionierender Staat, eine lebendige Kirche, eine solidarische Gemeinschaft lebt vom AUSTAUSCH, in einer Diktatur wird es ruhig.

  6. Vielleicht sollten wir alle mal wieder Nathan der Weise lesen.

    Lessing ist zwar schon lange tot, aber sein Aufruf zu Toleranz und Verständnis ist auch heute noch – oder wieder- aktuell.

    Wenn wir dann noch berücksichtigen, dass der Gott, zu dem wir uns bekennen, den wir im Gebet anrufen, unser aller Gott ist.
    Dass auch Juden und Moslems ihren Glauben aus dem Alten Testament ziehen und die Moslems sogar unseren Jesus als Propheten und Maria insbesondere verehren, sollten wir mal an unsere christliche Nase fassen.

    Barmherzigkeit ist keine Einbahnstraße.

    Vielleicht sollte mancher unserer berühmten Stammtisch – Populisten mal daran denken, wie er noch vor einigen Jahren über Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft in Staaten wie Türkei, Ägypten, Tunesien und Marokko (nur einige Beispiele) geschwärmt hat, wenn er aus dem Urlaub zurückkam.

    Wie behandeln wir diese Menschen – sogar wenn sie zu uns nur aus nackter Existenzangst und Not kommen?

    Lieber Luther, liebe Burka Frau
    glücklicherweise ist Gott „Gott“ und kein Mensch. Er behandelt alle gleich!
    Alle stehen in seiner Gnade.

    Das einzige was ich ihm vorhalte:

    Hättest Du Dir das mit der Abgabe der Verantwortung für die Welt an uns Menschen nicht noch ein bißchen verschieben können, bis wir wirklich reif für diese Verantwortung sind?

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