Christen kreuzbrav?

Luther 2.0

Bei meinen Besuchen in eurer Gegenwart höre ich immer wieder, meine theologia crucis, meine Kreuzestheologie sei heute nicht mehr vermittelbar.
Der derbe Luther, der lustige Luther, der musikalische Luther – alles wunderbar. Und natürlich immer wieder der mutige Luther.
Aber der Kreuzestheologe Luther?
Solche Sätze wie in meiner Heidelberger Disputation von 1518: „Denn weil sie das Kreuz nicht kennen und es hassen, müssen sie notwendig das Gegenteil lieben, d. h. Weisheit, Ruhm, Macht u. ä.“?
Das sei alles altes Zeugs und dem modernen Menschen nicht mehr zuzumuten.

Ich glaube, ihr macht da einen schweren Fehler.
Dass das Christentum so merkwürdig schlaff und ausgelutscht erscheint in eurer Gesellschaft und der Islam immer wieder so viel kraftvoller wirkt als Religion, wie meine muslimische Blog-Kollegin Fatime hier geschrieben hat – das hat auch mit dem Vergessen des Kreuzes zu tun. Davon bin ich überzeugt. Damit, dass ihr der Kernbotschaft unseres Glaubens oft nur noch so wenig zutraut.
Man könnte manchmal meinen, ihr wollt euch von euren Zeitgenossen lieber nicht erwischen lassen mit so einem anstößigen, ärgerlichen Glauben wie dem an einen gekreuzigten Erlöser. Kann das sein?

Wie ich darauf komme?
Nun, von einem Beispiel habe ich hier ja neulich mal geschrieben, als es um euren öffentlichen Umgang mit Fehlern ging.
Hier noch eine andere Geschichte dazu, der ich ausgerechnet am Karfreitag begegnet bin.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Bedford-Strohm, und sein katholisches Gegenüber Kardinal Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, haben im vergangenen Herbst eine ökumenische Reise nach Israel gemacht. Dort wollten sie unter anderem auch den Tempelberg in Jerusalem besuchen, der offiziell einer muslimischen Religionsbehörde untersteht. Als die beiden deutschen Kirchenführer dort am Tor standen, hat man ihnen gesagt, sie kämen nur hinein, wenn sie die Kreuze ablegten, die sie beide auf der Brust trugen.

Ich finde, das war eine ziemlich dreiste Forderung dieser muslimischen Behörde gegenüber ihren ausländischen Gästen, und ich würde sehr gerne einmal hören, was unsere deutsche Muslima Fatime dazu sagt. Aber darum geht es hier nicht.

Es geht um unsere beiden deutschen Bischöfe, die obersten Kirchenführer hierzulande. Wie sind die mit dieser harschen Zumutung umgegangen?
Was haben sie gemacht:  Sie haben ihre Kreuze brav unter ihr Gewand geschoben und dort versteckt. Dann haben sie noch in die Kameras gelächelt und haben das Tor passiert.

Nicht dass solche äußeren Symbole wie Bischofskreuze auf der Brust irgendeine Bedeutung an sich hätten für den Glauben. Aber wenn ein anderer mein Kreuz so wichtig nimmt, dass er von mir verlangt, mich von ihm zu trennen – da muss ich mich doch erst recht zu ihm bekennen, oder etwa nicht? Weil ich ja nur durch ihn, diesen Gekreuzigten, bin, was ich bin: ein Christ.

Wenn man von unserer deutschen Muslima Fatime verlangen würde, ihr Kopftuch abzulegen, um in eine deutsche Kirche eingelassen zu werden – ich bin überzeugt, die hätte die Kraft, NEIN zu sagen und lieber draußen zu bleiben.
Und ich wäre nicht Martin Luther, wenn ich nicht genauso überzeugt wäre, dass auch wir Christen nicht immer nur kreuzbrav sein sollten. Und dass die Kraft dafür gerade in der Botschaft vom Kreuz steckt .

PS:
Just an diesem selben Karfreitag erzählte mir eine Pfarrerin eine kleine Gegengeschichte, über die ich seitdem immer noch nachgrüble: Ihre Tochter, eine überzeugte Christin, hatte neulich Geburtstag. Und ihre syrische Freundin, eine Muslima, hat ihr dazu – einen Kreuz-Anhänger geschenkt.

9 Kommentare

  1. Mitmensch

    Lieber Luther, mir gefällt das Verhalten der beiden Herren auch nicht; es scheint aber z. Zt. das Klima zu sein, „nur nicht provozieren“.
    Für wichtiger halte ich es aber, die jungen Menschen, die mit der Konfirmation ihren christlichen Glauben bestätigen sollen, zu lehren, was das mit dem Kreuz auf sich hat. Abgesehen davon, dass der Vorbereitungsunterricht immer mehr verkürzt wird, sind die Inhalte sehr verflacht. Mit den technischen/digitalen Hilfsmitteln könnte ein der Jugend gerechter Unterricht gestaltet werden, aber das kostet Vorbereitungszeit.
    Wie sagte bereits Sokrates sinngemäß: die heutige Jugend ist nicht mehr so lernwillig, wie wir es waren.

  2. Hans-Georg Falk

    Lieber Luther 2.0,
    du hast völlig Recht mit dem, was du schreibst. Ausgelutscht, schlaff und schal ist unser Bekenntnis als Christen viel zu oft. Ich denke an Philipp Spitta: „Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit, ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit…“. Stattdessen sind wir meist ängstlich bemüht, Streit zu vermeiden und keinem auf die Füße zu treten.
    Schade, das auch von zwei solchen Repräsentanten des Christentums zu hören, die ich ansonsten sehr schätze.
    Aber, lieber Luther 2.0 – wenn ich dir so zuhöre, vermag ich dich auch kaum wiederzuerkennen: vor 500 Jahren hattest du deutlich deftigere Sprüche auf Lager! Hast du nicht mal gesagt: „Tritt fest auf, machs Maul auf, hör bald auf!“ So einen feinen Rat hätten die beiden Herren auf dem Tempelberg wohl gebrauchen können. Vielleicht auch den Trost „ihr suchet Jesus, hier ist er nicht“ (EG 116, 3), wenn sie vor den Tempelwächtern unverrichteterdinge umgekehrt wären. Aber wir wollen nicht den Stab über andere brechen. Wir wissen nicht, wo ihnen Jesus näher war: mit dem Kreuz nach außen hin brav unter das Gewand geschoben; oder ihre Kreuze für jeden sichtbar zu Tale tragend. Der HERR wird es wissen.
    Immerhin schön, dass du noch die wunderbare Gegengeschichte zum Besten gegeben hast. Die kleine, mutige Muslima hat’s wirklich verstanden, worum es vor Gott geht. Respekt!

  3. Friedrich-Wilhelm Midasch

    Ich glaube, unserer Kirche hätte gut daran getan, wenn die beiden Bischöfe umgekehrt wären. Aber so lasch ist unsere Kirche heute. Kein Wunder, dass die Kirchen so leer waren, und zu Karfreitag habe ich keinen jungen Menschen in der Kirche gesehen, nicht einmal Konfirmanden, die in Kürze konfirmiert werden. Schade!!!!

  4. Rainer Stuhlmann

    Nein, Herr Luther! Wie konnten Sie nur so sehr daneben greifen! Diese alte Geschichte noch mal aufwärmen! Und dann so verquer, bar jeder Kenntnis!
    Wahrscheinlich waren Sie nie an Ort und Stelle. Wer in den letzten Jahren auf dem Tempelberg war, wird sich daran erinnern, wie der Reiseleiter am Vorabend allen Gruppenmitgliedern eingeschärft hat, am nächsten Morgen nur ja keine religiösen Schriften, auch keine Bibel, in seinem Rucksack zu haben und auch keine religiösen Symbole, selbst die Schmuckkreuze um zarte Mädchenhälse sollten an diesem Tag besser im Hotel bleiben. Man betritt nämlich den einzigen Heiligen Ort in Jerusalem, auf den zwei Religionen Anspruch erheben. Immer wieder gab es auf dem Areal gewaltsame Auseinandersetzungen. Die zweite Intifada nahm hier ihren Anfang. Die El-Aqsa-Brigaden haben sich nicht zufällig diesen Namen gegeben. Und die Verrücktesten planen, den Felsendom in die Luft zu sprengen, um dort den Dritten Jüdischen Tempel zu errichten. Darum haben die israelischen Sicherheitsbehörden verboten, auf dieses Areal irgendetwas mit sich zu führen, was den religiösen Frieden stören könnte. Die Kontrollen sind verschärft. Gesucht wird an dieser Stelle auch nach religiösem Sprengstoff.
    Vielleicht dachten die deutschen Kirchenmänner, das beträfe Bischofskreuze nicht. Ihre erste Lektion war, dass auch vor diesem Gesetz alle gleich sind. Also weg mit den Kreuzen! Mindestens unter die Soutane.
    Aber die beiden Bischöfe haben noch eine zweite Lektion gelernt. An der Klagemauer hat niemand sie genötigt, ihre Kreuze zu verstecken. Sie haben es trotzdem getan – nicht nur der muslimisch-jüdischen Symmetrie wegen. Sie haben etwas gelernt, was auch ich zu lernen hatte gleich zu Beginn in Nes Ammim. In Nes Ammim gibt es nämlich keine Kreuze, nicht im Dorf und nicht im Gebetshaus (einzig auf der Schweizer Flagge). Das war schon bei seiner Gründung 1963 eine bewusste Entscheidung. Ein christliches Dorf in Israel ohne Kreuz. Ich bin sicher, dass die Gründer die Schriften des richtigen Luther gut kannten, seinen „Heidelberger“ und „De servo arbitrio“. Und sie wussten, dass es gerade nach seiner Kreuzestheologie genau richtig ist, in bestimmten Situationen auf das Kreuz zu verzichten.
    Wer den Dialog mit Juden und Muslimen sucht, wird sich vielleicht auch an einige Grundregeln der Symboldidaktik erinnern. Danach ist ein Symbol nur kommunikationsgeeignet, wenn der Empfänger die Botschaft versteht, die der Sender mit seinem Symbol aussendet. Das ist aber im Fall des Kreuzes nicht nur nicht gegeben. Für Juden und Muslime sagt das Kreuz genau das Gegenteil von dem, was Christen damit zum Ausdruck bringen wollen. Der Sieg des Lebens über den Tod? Gottes Unverfügbarkeit? Solidarität mit den Unterdrückten und Verfolgten? Im kollektiven Gedächtnis von Juden und Muslimen ist das Kreuz ein Symbol für das, was sie bedroht: Zwangstaufen, Verfolgung, Folterung, Tötung. Für das Gespräch mit Juden und Muslimen taugt dieses Symbol absolut nicht. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes verbrannt. Auch auf einem Bischofsbauch repräsentiert es die „Triumphierende Kirche“. Es ehrt die beiden deutschen Bischöfe, die meines Erachtens die ersten bischöflichen Jerusalem-Pilger waren, die mit ihrem nicht verschämten, sondern demonstrativen „Kreuzverzicht“ für diese Fragen Sensibilität entwickelt haben.
    Nes Ammim hat sich übrigens nicht gescheut, sich christlich zu outen. Dazu haben die Gründer den Fisch gewählt, der damals noch nicht inflationär Autohecks und Lesezeichen zierte. Er ist das Symbol der Untergrundkirche, der Kirche, die mit den Leidenden und Verfolgten solidarisch ist, die lernende, nicht die triumphierende Kirche.
    Ob es die dilettantische Öffentlichkeitsarbeit der beiden Bischofskanzleien war oder nur der böse Wille bestimmter interessengeleiteter Publikationsorgane, die keinen blassen Schimmer von der Situation in Jerusalem haben. Jedenfalls wurde die Geschichte ein gefundenes Fressen für all jene, denen die deutschen Kirchen eh schon zu liberal sind und die nun Stoff hatten, ihre beiden Spitzenrepräsentanten als Leisetreter zu diffamieren. Dass in dieser Phalanx von IDEA bis AfD nun auch der Klüngelbeutel zu finden ist, wenn auch mit einem halbem Jahr Verspätung, hat – so gestehe ich – mein Weltbild erschüttert. Aber gemessen an den wirklichen Problemen des Landes ist es nur ein kleines Erdbeben.
    Ich grüße aus Jerusalem, das auch einen kritischen Protestanten immer wieder (wenn diesmal auch nur für ein paar Tage) anlockt, auch wenn er hier von Heerscharen der naiven oder religiös verbohrten Kreuzträger umgeben ist, die den interreligiösen Dialog, den die Stadt so sehr nötig hat, eher blockieren als fördern.

    • Lieber Herr Stuhlmann, zu dem letzten Beitrag von Luther 2.0 haben Sie eine engagierte Kritik geschrieben. Sie sollen dazu natürlich auch eine Antwort bekommen. Da der gute Martin, wie wir wissen, in diesen Dingen schnell mal in Rage gerät, habe ich ihm vorgeschlagen, dass ich das übernehme. Als deutsche Muslima hänge ich in dieser Problematik ja ohnehin auf mehrfache Weise auch mit drin.
      Zunächst einmal soll ich Ihnen in Luthers Namen herzlich danken für Ihre Erschütterung, von der Sie schreiben. Dass Worte, seine Worte gar, ein Weltbild erschüttern können, das erlebt er bei uns nicht mehr so oft.
      Sodann soll ich Ihnen auch noch mitteilen, dass er keineswegs so ahnungslos war über die Situation auf dem Jerusalemer Tempelberg, wie Sie gemutmaßt haben. Ein gewisser Herr Behmenburg hatte ihm nämlich gerade erst erzählt von seiner Israel-Reise vor ein paar Jahren und von der dringlichen Warnung ihrer Reiseleiterin damals am Abend vor dem Jerusalem-Besuch: „Morgen gehen wir auf den Tempelberg,“ hatte sie gesagt, „den heiligsten Ort der Welt. Was Sie dort morgen aber auf gar keinen Fall tun dürfen, ist beten! Haben Sie das verstanden?! Dort kann der kleinste religiöse Funke womöglich einen Weltkrieg auslösen.“ Das hatte diesen Herrn Behmenburg seinerzeit lange beschäftigt: Der heiligste Ort der Welt – aber beten ist da total tabu.
      Nur – die beiden Bischöfe hatten ihren Kreuzverzicht ja gerade nicht mit der explosiven Sicherheitslage begründet, sondern mit „Respekt vor den Gastgebern“, wie sie es nannten.
      Aber letztlich sind das ja auch nur Nebengleise.
      Das Hauptgleis ist das Kreuz. Und was es bedeutet.
      Ich gebe Ihnen recht, lieber Herr Stuhlmann, und bin Ihnen meinerseits dankbar, dass Sie das Kreuz als Triumphsymbol so entschieden ablehnen. Ihr Christen habt gerade mit dem Zeichen des Kreuzes ja auch eine unsägliche Spur der Zerstörung in die Welt getragen. Als Muslima fallen mir dazu natürlich sofort die „Kreuzzüge“ ein (Allein schon das Wort!), aber auch die sogenannte Missionierung Lateinamerikas und anderes. Das Kreuz als Triumphsymbol der Christen – wenn ich Euren Glauben richtig verstanden habe, ist das ja schon eine Perversion in sich selbst. Zumindest wenn man an den denkt, an den das Kreuz eigentlich erinnert.
      Aber ist das Ursymbol Eures Glaubens durch diese Missbrauchsgeschichte nun „verbrannt“?
      Oder gibt es zwischen „Triumphsymbol“ und „verbrannt“ nicht doch noch etwas Anderes?
      Ich schaue noch einmal auf diese kleine Szene in Jerusalem vor ein paar Monaten:
      Da stehen also diese zwei deutschen Bischöfe am Eingang des Tempelbergs und werden gebeten, ihre Kreuze abzulegen.
      Ich versuche gerade, mir vorzustellen, welche Alternativen sie hatten.
      Als ich zur Konfirmation von Sandra eingeladen war, der Tochter meiner christlichen Freundin, hat die Pfarrerin mich nicht gebeten, mein Kopftuch abzulegen. Hätte sie es getan, welche Alternativen hätte ich gehabt? Ich glaube, ich wäre stur genug gewesen, lieber draußen zu warten.
      Und die Bischöfe?
      Ich stelle mir gerade vor, wie es gewesen wäre, wenn sie sich kurz beraten hätten und hätten dann den Besuch einfach abgebrochen. Mit Bedauern. Vielleicht mit der Hoffnung auf zukünftige Fortschritte im interreligiösen Dialog. Und vor allem mit Verweis auf ihr persönliches Gebunden-Sein an das, wofür dieses Symbol steht: das Kreuz. Vielleicht hätten sie noch hinzugefügt, auch die Christen seien eben eine Religion. Mit Symbolen und inneren Bindungen an die Sache. Das sei bei ihnen wie bei anderen Religionen auch. Auch sie Beide stünden nicht über diesen Dingen. Über dem, was die Medien gerne das Gezänk der religiös Rückständigen nennen. Nein, sie seien selber Teil dieser angeblich rückständigen, aber aus ihrer Sicht tief im Spirituellen verwurzelten Gegenwelt.
      Deshalb könnten sie auch nicht ihre Kreuze einfach so in die Soutane stecken, in die Kameras lächeln und der Welt mal wieder zeigen, wie überlegen sich das moderne westliche Christentum über die religiösen Verrücktheiten der anderen zu erheben vermag.
      Nein, das könnten sie nicht. Sie seien ja selber religiös und gläubig und vielleicht auch ein bisschen verrückt, dass sie mit diesem Kreuz und seiner Botschaft ihr Leben lang unterwegs sind.
      Die westlichen Medien hätten sich die Kübel Häme über solche bischöflichen Absonderlichkeiten auf der Weltbühne vermutlich nicht nehmen lassen.
      Aber ich, ich hätte meinen Hut, Verzeihung: mein Kopftuch gezogen vor so einem Glaubenszeugnis. Gerade so eine öffentliche „Niederlage“ hätte der Welt eine Seite des Kreuzes gezeigt, die mitnichten „verbrannt“ ist und vor der auch kein Moslem oder Jude Angst haben muss.

  5. Axel Wilms

    Sehr interessante Diskussion! Da sieht man mal wieder, wie viele verschiedene Aspekte so ein relativ einfacher Vorgang wie das Verhalten der beiden Bischöfe haben kann, wie unterschiedlich man ihn bewerten kann und welche Gefahren in einer „klaren“, „entschlossenen“, „Luther-haften“ Bewertung und Stellungnahme liegen können. Luther selber wäre vermutlich in einer solchen Situation in Jerusalem mit der Axt vorgegangen …

    Als ich über das Verhalten der beiden Bischöfe gerade gelesen habe, fand ich es spontan erstmal sympathisch, klug und angemessen. Nur so konnten sie zu ihrem Reiseziel kommen, was Ihnen wichtig war, und ein Kreuz, das man als Symbol mit sich trägt, ist eben auch nur ein Kreuz, das man als Symbol mit sich trägt. Ihr Verhalten finde ich hier, so gesehen, erstmal besser als ein humorloses „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ (übrigens, falls noch nicht bekannt, man kann mit diesem Luther-Statement als Aufdruck Präservative bekommen. Ist doch witzig, oder?). Und ist es wirklich so schlimm, bemüht zu sein, Streit zu vermeiden und keinem auf die Füße zu treten? Selig sind die Sanftmütigen!

  6. Paul Leuschner

    Ich finde solche Diskussionen immer ganz interessant.
    Sie zeigen, wie wichtig uns Religion und Kirche sind.

    Vielleicht bin ich auch ein bißchen naiv. Ich glaube an Gott. Denselben Gott an den auch die Juden und Moslems glauben.
    Ich tue dies bewußt und allein. Meine Glaubensgemeinschaft schützt und stärkt mich, aber mein Glaube gehört mir und ist eine ganz einfache bilaterale Geschichte zwischen Gott und mir.

    Und ich verrate Ihnen jetzt etwas aus unserer Beziehung.
    ER hat noch nie ein Symbol von mir verlangt. Er weiß, wie ich denke.

  7. Friedrich-Wilhelm Midasch

    Die Diskussion mag für Theologen hochinteressant sein, aber für einen normalen Christenmenschen wohl etwas zu hoch. Für mich ist das Kreuz kein Symbol, sondern der sichtbare Ausdruck meines Glaubens. Wenn ich meinen Glauben verstecken muß, um in den Felsendom oder in ein anderes religiöses Gebäude zu gelangen, dann verzichte ich lieber darauf.

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