Die Rache des Madensacks

Luther 2.0

Potz Donner! – So habe ich gedacht, als ich vor ein paar Tagen dieses Schreiben von einem papistischen Kardinal erhielt.
Darin wurde mir meine Heiligsprechung für den 1. November 2017 angedroht.
Potz Donner! Das ist ja eine ganz perfide Art, mich zu eliminieren: Aus dem weltweit einmaligen Wittenberger Reformator wollen sie einen stinknormalen katholischen Heiligen machen wie tausend andere auch. Nach dem Motto: Wenn die Leute den Luther dann in einer Reihe sehen mit so zwielichtigen Heilig-Gesprochenen wie dem Gewaltherrscher Kaiser Konstantin oder dem Opus Dei-Gründer Escriva, dann wird von seiner gefährlichen Freiheits-Aura am Ende nicht mehr viel übrig bleiben.
Degradierung durch Heiligsprechung – so perfide können nur Papisten sein.

Aber dann, als ich mich wieder beruhigt hatte, habe ich auch eine gewisse Genugtuung gespürt.
Nicht wegen meiner „Heiligkeit“ – ach, Gott bewahre, nein.
Aber meiner Lutherischen Kirche – der geschieht das ganz recht, dass man ihr auf diese Weise den Namensgeber stiehlt. Denn ich habe das nie gewollt, dass die sich nach mir nennen!  Im Gegenteil, wie habe ich seinerzeit gewettert gegen dieses Ansinnen! „Wie käme denn ich armer stinkender Madensack dazu, dass man die Kinder Christi sollte mit meinem heillosen Namen nennen?!
Aber kaum war ich tot, wollten sich meine Protestanten diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen, meinen weltberühmten Namen ab nun wie eine Reliquie vor sich her zu tragen. Und deren moderne Nachfolger tun das ja ungeniert bis heute und treiben es damit  just in diesen Tagen schlimmer als je.
Da geschieht es ihnen nur recht, dass ihnen der exklusive Luther-Nimbus, diese erbärmliche Reliquie, nun ausgerechnet zum Jubiläum aus den Händen geschlagen wird.

Und als ich dann noch von der jüngsten Mitgliedschafts-Studie meiner Evangelischen Kirche in Deutschland las, da war ich endgültig überzeugt von der Richtigkeit dieses gewieften vatikanischen Schachzugs meiner Heiligsprechung. Denn als man vor ein paar Jahren die Protestanten in Deutschland fragte, welche Personen sie mit der Evangelischen Kirche in Verbindung bringen, was antworteten sie? 30% sagten: Martin Luther, 13%: Jesus Christus, 10%: Margot Käßmann und 8%: Joachim Gauck.
Wie bitte? habe ich gedacht. Habt ihr sie noch alle?
Martin Luther bei den Evangelischen zweieinhalb Mal bedeutsamer als Jesus Christus?!
Habe ich dafür etwa die Reformation gemacht: um der religiöse Held der deutschen Protestanten zu werden?!

Zum meinen Lebzeiten habe ich immer gesagt: Das wichtigste Kriterium bei allem ist, „was Christum treibet“, sprich: Zu tun ist immer das, was Christus größer und erkennbarer macht.
Nun denn, wenn meine Heiligsprechung dazu hilft, mich kleiner und Jesus Christus wieder größer zu machen – dann bitte, ihr Papisten: Macht mich kleiner! Sprecht mich heilig!
Meinen Segen habt ihr.

1 Kommentare

  1. Walter Krüger

    Danke, lieber Martin. Deine Argumente finde ich gut. Ist ja etwas dran an Deinen Bemerkungen.
    Manchmal habe ich den Eindruck, dass M. L. in der katholischen Kirche mehr beachtet wird als bei uns. Da ist ja immer von dem eigentlich katholischen Luther die Rede, der ja nichts anderes wollte, als die Kirche zu reformieren. Interessant!

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