D’r Zoch kütt

– Du, Lapp.

– Wat es, Schwader?

– Bevor ich dir eine völlig jecke Story erzähle, frag ich mal: Hast du schon mal den Rosenmontagszug kommentiert?

– Du, das mach ich quasi jedes Jahr: Wenn ich in den Kölner Straßen stehe, die Musik höre und um mich herum die ganzen Jecken sehe, dann steht meine Schnüss nie still.

– Super, dann bist du ja gut ausgebildet. Wir haben nämlich eine Anfrage gekriegt vom Stadtsuperintendenten, dem Oberprotestanten von Köln.

– Ach, von dem Dummejung?

– Domning heißt der, du Pappnas.

– Und was will der von uns?

– Pass auf, folgende Geschichte: Die Evangelische Kirche von Köln hatte vor drei Jahren mal vorsichtig angefragt, ob sie nicht im Rosenmontagszug 2017 mit einem eigenen Wagen mitfahren dürften. Weil ja doch das Jubiläumsjahr ist von der Reformation.

– Und? Was hat der Zugleiter gesagt?

– „Super Idee!“ hat der Kuckelkorn hat gesagt – aber anschließend natürlich alles ganz schnell wieder vergessen.

– Normal. Die kölsche Art, mit so was umzugehen.

– Ja, aber der Stadtsuperintendent hat das nicht verstanden.

– Der ist ja auch nicht von hier.

– Der hat dann tatsächlich im letzten Herbst noch mal beim Kuckelkorn nachgefragt.

– Sag ich doch: Dummer Jung.

– Und weißt du, was er als Antwort gekriegt hat?

– Typisch kölsch wäre: „Super Idee – aber warum kommen Sie damit erst jetzt? Jetzt ist zu spät.“

– Exakt so war es! Und als der Domning dann knatschig wurde, hat ihn der Oberkarnevalist in den Arm genommen und hat ihm das schönste Angebot gemacht, das der Kölner für zugewanderte Pimmocke wie die Protestanten überhaupt im Angebot hat.

– Er hat gesagt: Wir nehmen euch beim nächsten Mal mit in den Kölner Dom, wenn der Kardinal die Karnevalisten segnet.

– Nein, ganz so weit wollte das Festkomitee dann doch nicht gehen. Aber, pass auf, folgende großherzige Offerte: Ausnahmsweise, so hat der Zugleiter gesagt, weil ja Lutherjubiläum ist, dürfen drei von euch Protestanten auf dem Wagen der Mülheimer Karnevalsgesellschaft im Rosenmontagszug mitfahren. Toll, was? Aber wirklich nur ausnahmsweise und wirklich nur zum Lutherjubiläum. Und auch nur drei. Und bitte definitiv verkleidet.

– Boah! Da hat ihm der Dummenigge aber sicher die Füße geküsst.

– Von wegen! Der war danach noch mehr beleidigt und – pass auf, jetzt kommt’s – er hat gesagt: Dann machen wir Protestanten eben unseren eigenen Zug.

– Nä!

– Doch. Und zwar am 31. Oktober 2017, am Reformationstag.

– Aber das ist doch ein Dienstag.

– Egal, haben sie gesagt. Am 31. Oktober soll ein Karnevalszug durch Köln gehen, der nur aus Protestanten besteht.

– Echt?

– Und in ihrer Erregung wollen die Kölner Protestanten jetzt an Karneval wohl sogar schon eine Pressemitteilung dazu veröffentlichen, munkelt man. Ich habe da jedenfalls einen Text zugespielt bekommen, der nach genau so etwas klingt. Hier, hör mal:

Am 31. Oktober 2017 feiert ganz Deutschland den 500. Jahrestag der Reformation. Ganz Deutschland? Nein! Eine kleine von strohdoofen, heimatbesoffenen und ausgetretenen Ex-Katholiken bevölkerte Siedlung am Rhein kriegt davon natürlich mal wieder nichts mit. Auch das internationale Großereignis des Luther-Jubiläums geht der Stadt Köln wie alles Protestantische seit Jahrhunderten mal wieder völlig am Arsch vorbei. Aber die Kölner Protestanten nehmen das ewige Nicht-Beachtet-Werden in der Domstadt nicht mehr klaglos hin. Sie machen jetzt selber den Luther. Am 31. Oktober 2017 schicken sie einen Karnevalszug durch Köln, der nur aus Protestanten besteht: den ‚Blauköpp-Dienstags-Zug‘.“

– Hui! Das klingt aber nach einem sehr ehrgeizigen Projekt.

– Das ist ihnen dann anschließend auch aufgefallen. Deshalb wollten sie ja auch uns zwei dafür engagieren, dass wir ihnen diesen protestantischen Karnevalszug zusammenstellen.

– Schwader und Lapp, die kölschen Kommunikationsprofis für die hoffnungslosen Fälle.

– Genau. Aber am Ende haben sie dann doch noch kalte Füße gekriegt vor der Größe der Aufgabe.

– Was ich persönlich jetzt auch nicht so wirklich schlimm finde. „Blauköpp-Dienstags-Zug“ – das kann man ja noch nicht mal kölsch aussprechen.

– Ja, aber die Geschichte ist noch gar nicht zu Ende.

– Was? Wird das jetzt noch bekloppter?

– Pass auf, in Düsseldorf, der ewigen rheinischen Konkurrenzstadt von Köln, war das mit dem Lutherjubiläum im Rosenmontagszug überhaupt kein Problem. Da hat der Jacques Tilly, der berühmteste Wagenbau-Künstler Deutschlands, einen wunderbaren Lutherwagen gebaut, der da am Rosenmontag im Zug durch die verbotene Stadt fährt. Und als der Domning, das gehört hat, weißt du, was er da gemacht hat?

– Jetzt sag nicht: Der Stadtsuperintendent von Köln hat gefragt, ob er in Düsseldorf auf dem Lutherwagen im Rosenmontagszug mitfahren darf?

– Und nicht nur das: Er macht sogar vorher schnell noch einen Sprachkurs, damit er am Montag beim Lutherkamelle-Werfen fehlerfrei von seinem Wagen was rufen kann?

– Etwa Düsseldorf – Helau?

– Genau: Düsseldorf – Helau!

 

 

Hier die unglaubliche Schlusspointe dieser jecken Posse in einer echten kirchlichen Pressemitteilung zum Nachlesen.

2 Kommentare

  1. Axel Wilms

    Ich lese in dem Link gerade: „vergnügt, erlöst, befreit“ ist das Motto der Evangelischen Kirche im Rheinland zum Jubiläumsjahr der Reformation. Wer hat sich das denn ausgedacht? Das klingt ja extrem harmlos und langweilig. Da gefallen mir die Pfälzer protestantischen Karnevalisten schon besser, die im Reformationsjahr die 95 Thesen durch die eine Pfälzer Ur-These ersetzen: „Weck, Worscht un Woi!“

  2. Marita Lanze

    Helau! Ist in Düsseldorf schon bekannt dass ein Kölner auf dem Luther-Wagen Asyl bekommt? Das finden wir klasse!!!!
    Marita Lanze, Katholische Arbeitnehmer Bewegung -KAB-

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