Ein feste Burg goes Morgenland

Fatime

Fatime

Vor ein paar Wochen habe ich zum ersten Mal bei einer Reformationsfeier zugeguckt. Da gab es ja in diesem Jahr eine ganze Menge von. Vieles daran war mir schon sehr fremd. Aber das ist ja auch normal, wenn man in einer türkischstämmigen Familie aufgewachsen ist.
Anderes hat mir aber auch gut gefallen. Am besten fand ich dieses Lied, das da immer wieder vorkam: „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen“.

Es heißt ja heute immer, der Islam sei eine kriegerische Religion, eine Religion des Kampfes, während das Christentum eine Religion der Versöhnung und des Friedens sei. Aber wenn ich mir diese protestantische Hymne von Martin Luther angucke, dieses „Ein feste Burg“, dann würde ich mal sagen: Das war nicht immer so. Das Christentum kann auch anders.
Zumindest Martin Luther konnte das noch: den christlichen Glauben als Kampfreligion verkündigen. Gegner hatte er ja genug. Ohne seinen Kampfesmut wäre aus seinem Protestantismus auch vermutlich nichts geworden.

Ich habe das Lied dann später auch mal gegoogelt, um es mir genauer anzusehen. Aber was ich da im Internet gefunden habe: O Mann! Das Meiste war grauslich- süßes Gesäusel oder zahmer Chorgesang zur guten Nacht. Das kann man doch nicht machen mit so einem Lied!
Man hat fast den Eindruck, als wüsste man im Christentum heute nichts mehr von diesem Kampf des Glaubens, von dem der Luther noch so beseelt war.
Versteht mich bitte richtig: Kampf heißt ja hier nicht: mit Gewalt, sondern es heißt: einstehen für das, woran man glaubt, auch gegen Widerstände. Gewaltfrei, natürlich, aber gerade deshalb tapfer und entschlossen und mit Gottvertrauen. Genau davon handelt doch dieses kämpferische Lutherlied, dieses „Ein feste Burg“, oder etwa nicht?

Ich habe dann den Autor dieses Blogs gefragt, ob es dieses Lied nicht auch auf Türkisch gibt. Denn ich bin mir sicher, auf Türkisch ist da bestimmt eine ganz andere Emotion drin, eine viel stärkere Körperlichkeit auch. Das können wir gar nicht anders. Und so was würde dieser Hymne doch auch heute sicher noch mal gut tun.
Und wissen Sie, was der Herr Behmenburg mir dann erzählt hat: Er hat vor Jahren mal länger recherchiert nach diesem Lied. Alle möglichen Versionen hat er gefunden: englische, französische, spanische, portugiesische, sogar was auf Suaheli – aber keine türkische. Er wollte es erst nicht glauben. Er hat dann die Auslandsbischöfin der Ev. Kirche angeschrieben, die Frau Bosse-Huber, aber die musste auch passen. Die Bischöfin hat dann für ihn sogar noch bei der deutschen Gemeinde in Istanbul nachgefragt. Aber auch da: Fehlanzeige. Ins Türkische hatte dieses weltberühmte Lied offenbar noch nie jemand übersetzt.

Da lasst ihr euch aber was entgehen, ihr Lutheraner, glaubt mir.
Früher wart ihr in solchen Dingen ja auch schon mal selbstbewusster und missionarischer. Heute muss man so was anscheinend alles selber machen.
Ich habe jedenfalls schon mal angefangen. Mit dem Text bin ich zwar noch nicht ganz fertig. Türkisch ist ja auch nicht meine Muttersprache. Die erste Zeile, mehr habe ich noch nicht: „Bizim tanrıçlü bir kale, iyi bir savunma ve silah“.
Aber eine musikalische Begleitung hat mir ein Freund schon mal gemacht für das Lied.
Als kleine Kostprobe habe ich euch das hier schon mal angehängt. Das ist noch auf Deutsch, aber immerhin schon mal mit türkischem Sound.
Hört es euch mal an:

3 Kommentare

  1. Paul Leuschner

    Liebe Fatime,

    mit großem Interesse habe ich Deine Freude an dem Lutherlied „Ein feste Burg“ zur Kenntnis genommen.

    Es wundert mich nicht, dass es dieses Lied in allen möglichen Sprachen, aber nicht in Türkisch gibt.

    Ein Staat, der im Augenblick sein System auf eine „Diktatur“ islamischen Musters umstellt, der wohl vergessen hat, dass AtaTürk genau gegen die jetzt wieder propagierte Zusammenführung von Kirche und Staat erbittert gekämpft hat, wird so ein Lied n i e übersetzen.

    Ist aber auch nicht notwendig.
    Wer soll es denn singen. Christliche Türken in Deutschland? Sie können es auf Deutsch singen.
    Christliche Türken auf der Welt? Sie können es, wie Du ja festgestellt hast in vielen Sprachen sinen.
    Christliche Türken in der Türkei? Gibt es die noch, trauen die sich das?

    Natürlich wird von der türkischen Staatsführung volle Religionsfreiheit und Unterstützung für ihre islamischen Gläubigen in Deutschland erwartet. Was ich beiläufig für völlig in Ordnung halte. Aber wäre ein bißchen Toleranz, wie sie auch Mohammed in seinem Koran gepredigt hat, auch in der Türkei nicht schlecht?

    Vielleicht denkst Du einmal darüber nach!

    Zum Schluß noch eine Frage:

    Gibt es eigentlich „Stille Nacht, heilige Nacht“ das meistübersetzte Weihnachtslied der Welt auf Türkisch??

  2. Liebe Fatime,
    Martin Luther hat p r o t e s t i e r t , aber der Protestantismus war nicht seine Sache. Dass „ein feste Burg ist unser Gott“ bis jetzt nicht ins Türkische übersetzt wurde, ist schade, da es ja viele Jahrzehnte christliche Gemeinden in der Türkei gab. In der heutigen Zeit würde ich es nicht übersetzen, da sehr leicht eine falsche Betonung hinein kommen könnte.
    Du hast vollkommen Recht, dass die kath. Kirche heute viel über Luther spricht, sie erkennt, dass Luther in der kath. Kirche vieles reformiert hat. Es ist schade, dass die Protestanten so „lasch “ geworden sind, sie halten ihren Glauben für sich. Ich empfehle: Tue Gutes und sprich darüber!

  3. Friedrich-Wilhelm Midasch

    Liebe Fatime, wir sind doch schon lange nicht mehr Protestanten. Wir sind nur noch eine evangelische Kirche. Und wenn ich am Reformationstag nur
    18 Menschen einschließlich Pfarrer und Lektor in der Kirche sehe und selbst die Presbyter nicht dabei sind, dann kann man daran zweifeln, ob für uns evangelische Christen noch der Satz gilt „Ein feste…………“. Warum dann noch ins Türkische übersetzen?

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