Es wird Nacht, Martin Luther

Kardinal II

Der Kardinal

Ich habe an dieser Stelle neulich von der Heiligsprechung Martin Luthers berichtet, die der Vatikan gerade vorbereitet. Anschließend hat mich eine ganze Reihe von Beschwerden erreicht.
Die meisten kamen von Protestanten. Einige haben mich geradezu angefleht, ihnen doch bitte nicht den letzten noch verbliebenen Sinn ihrer Kirche wegzunehmen. Andere haben mich scheinheilig darauf aufmerksam gemacht, laut kanonischer Ordnung müsse doch bei einer Heiligsprechung der Nachweis eines unbezweifelbaren Wunders vorgelegt werden.
Aber ich bitte euch, liebe Protestanten, das mit dem Wunder ist bei Martin Luther doch nun wirklich ganz einfach. Denn er hat etwas geschafft, was jahrhundertelang als völlig unmöglich galt: Er hat eine zutiefst verkommene mittelalterliche Kirche auf den Weg der Erneuerung gebracht. Gut, es hat ein paar hundert Jahre gedauert. Und Manches bringt auch gerade aktuell erst Papst Franziskus auf den Weg. Aber auf lange Sicht kann man das ohne Frage so sagen: Es ist Martin Luther zu verdanken, dass sich die katholische Kirche von Grund auf reformiert hat. Wenn das kein veritables Wunder ist!

Es gab aber auch nicht wenige Beschwerden von Katholiken. Viele unserer eigenen Schäfchen müssen ja nun auch verkraften, dass ihr altes Feindbild sich verflüchtigt. Am meisten zu Herzen ging mir der Brief einer alten Frau, die mir schrieb: „Herr Kardinal, was tun Sie mir an?! Seit meiner Erstkommunion bin ich fast jeden Tag in der Heiligen Messe und beim Rosenkranzgebet. An evangelischen Feiertagen habe ich immer demonstrativ meine Wäsche rausgehängt. Und einen noch größeren Liebesdienst habe ich meiner einen heiligen katholischen Kirche erst vorige Woche getan: Ich bin konvertiert und bin lutherisch geworden. Denn ich bin jetzt fast neunzig, und mit mir geht es bald zu ende. Da habe ich mir gesagt: Ist es nicht besser, eine von denen stirbt als eine von uns?!“
Nun, solchen Katholiken sage ich natürlich nicht, dass die Theologie des II. Vatikanischen Konzils zu 90% von Luther geklaut ist. Sondern denen sage ich das auf die katholische Weise:

 

Zum Schluss nun noch mal zu euch, liebe Protestanten. Ihr kennt doch bestimmt das schöne Lied von Udo Jürgens: „Es wird Nacht, Senorita“.
Dazu habe ich jetzt einen neuen Text geschrieben, speziell für die Heiligsprechung eures Reformators am 1. November 2017.
Ich freue mich schon darauf:

1. Es wird Nacht, Martin Luther,
und du brauchst ein Quartier.
Komm in mein Gotteshäuschen.
Ich will gar nichts von dir.

Bisschen Bibel vielleicht,
wir sind müd vom Lateine.
Und mit deinem Talent
Bringst du uns auf die Beine.
Ralalalala… 

2. Es wird Nacht, Martin Luther,
sei nicht töricht zu mir.
Komm zu mir in mein Papsttum.
Ich will gar nichts von dir. 

Paar Reförmchen vielleicht.
Wir sind blass beim Regieren.
Bisschen Demokratie
Könn’n wir ja mal probieren.
Ralalalala…

3. Es wird Nacht, Martin Luther,
nimm nun Wohnung bei mir.
Komm zu mir in mein Dömchen.
Ich will gar nichts von dir. 

Deine Knochen vielleicht
Für meine Reliquiare.
Dann gehörst du ganz uns
die nächsten 500 Jahre.
Ralalalala…

1 Kommentare

  1. Friedrich-Wilhelm Midasch

    Ja ! Es ist ein Wunder, dass die katholische Kirche sich nach fast 500 Jahren an Martin Luther erinnert. Dafür sollte man aber nicht Martin heilig sprechen – er würde sich im Grab umdrehen-, sondern Papst Franziskus.

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