Hey, lasst mich mitmachen! (Martin Luther hat Game of Thrones geguckt)

Luther 2.0

Eure Welt erstaunt mich immer wieder.

Ich komme ja viel rum in diesem Jahr, meinem Jubiläumsjahr. Und ich will auch immer wissen, was von mir übrig geblieben ist bei euch. Aber fast immer, wenn ich danach frage, schickt man mich ins Museum: ins National-Museum für Luther als bedeutenden Deutschen, ins Theologie-Museum für Luther als Reformator der Kirche, ins Literatur-Museum für Luther als Begründer der deutschen Sprache. Nur für eure Gegenwart spielen mein Lebensthema, Gottes befreiendes Evangelium, und ich offenbar kaum noch eine Rolle. Selbst meiner Kirche bin ich manchmal ein bisschen peinlich. Sie entschuldigt sich dann immer gleich für meine schlimmen Entgleisungen gegen die Juden, für meine unglücklichen Schriften im Bauernkrieg, für meine mittelalterlich-derben Worte gegen Hexen, Türken, Katholiken.
Luther, ja, der war mal wichtig, so höre ich immer wieder, ein bedeutsamer Baustein der Gegenwart. Aber in der aufgeklärten westlichen Moderne sei man ja heute in allem weiter.
Also findet Luther dann eben im Museum statt.

Und was sehe ich da, als ich jetzt mal reingeguckt habe in „Game of Thrones“, diese weltweit erfolgreichste TV-Serie, die gerade wieder neu angelaufen ist:
Das ist ja meine Welt!
Das ist ja von vorne bis hinten Mittelalter!
Nur eben jetzt als Film mit tollen Schauspielern und grandiosen Bildern.
Dieser Drehbuch-Fuzzi (der auch noch so heißt wie ich: R. R. Martin) hat das alles zwar ein bisschen verfremdet, ansonsten aber eher oberflächlich zusammengerührt. Wiedererkannt habe ich trotzdem fast alles: Der Kontinent „Westeros“, das ist ganz klar unser Spätmittelalter mit seinen Reichen, Kämpfen und Intrigen. Der „Glaube an die Sieben“, die kraftlos gewordene Großreligion dieses Phantasie-Territoriums, das ist voll die verkommene katholische Kirche meiner Zeit. Und dann kommt noch ein bisschen Terrorismus-Furcht dazu mit religiösen Extremisten (halb Savonarola, halb Islam), die die säkularen Wohlstandsbürger in „Westeros“ bedrohen – und schon hat man die Herzen der Menschen im Jahr 2017 erreicht.

Und ich?
Ein vernünftiger Religiöser?
Einer, der sagt wie ich seinerzeit vor dem Kaiser in Worms: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ – es sei denn, man widerlegt mich mit Gründen der Vernunft oder der Heiligen Schrift?
So einer kommt da nicht vor.
Einem wie mir gibt diese moderne Fantasy-Serie keine Chance.

Und so sitze ich da auf einmal mitten unter euch in diesem sonderbaren Jahr 2017 und schüttele verwundert meine Kopf:
Mich schickt ihr ins Museum, weil ich euch zu mittelalterlich bin.
Und wenn ihr euer Tagewerk im Modern-Sein getan habt, geht ihr nach Hause, schaltet den Bildschirm ein und guckt Mittelalter?

Glaubt mir, nur zu gern würde ich in eure „Game of Thrones“-Serie hineinspringen und dort ein bisschen mitmischen.
Vielleicht könnte ich auf diesem Weg am Ende sogar noch Manche der modernen Religionsverächter für meine Botschaft erreichen…

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