Vielen Dank, Joachim

Der Kardinal

Ich bin’s nicht.
Auch wenn ich so aussehe und die Kleidung stimmt: ein richtiger Kardinal bin ich nicht.
Und mag meine Geste auf dem Bild auch noch so sehr passen: Erst recht bin ich natürlich nicht der gerade verstorbene Kölner Alt-Erzbischof Joachim Kardinal Meisner (worüber ich ja froh sein kann).
Nein, Er bin ich nicht.
Ich bin nur ein kabarettistischer Kardinalschauspieler.
Aber als solcher immerhin einer, der auf der Bühne rund anderthalb Jahrzehnte lang immer wieder Er sein durfte.
Einer, der in diesen Jahren geradezu gelebt hat von dem, was Er, der langjährige Kölner Oberhirte, so alles gesagt und getan hat.
Im Grunde muss ich sogar sagen: Ohne Ihn hätte es mich vermutlich gar nicht gegeben.

Und dafür will ich hier noch einmal von Herzen DANKE sagen.

Viele haben sich geschüttelt oder entsetzt abgewendet, ich habe sie geliebt: Meisners Worte.
Ich konnte gar nicht genug davon kriegen.
Ob das nur einfach abgestürzte Sprachbilder waren wie dies: „Der Seelenkrebs einer Negativmalaria, der depressiven Kritiksucht, scheint wie eine geistige Epidemie über der Kirche und über Deutschland zu liegen.“
Ob das frühe Formen von Islam-Bashing waren wie seine Lobeshymne an die Adresse der traditionellen Familien-Katholiken vom Neokatechumenat: „Eine Familie von euch ist mir lieber als drei muslimische Familien.“
Ob es gegen die Laien und Ehrenamtlichen in der Kirche ging, die mit ihrem „begrenzten Glaubenswissen“ das „Gift des Halb- und Falschglaubens“ verbreiteten, ob er die Ehe für alle am liebsten in den Zoo verbannt hätte („Wenn Homosexuelle getraut werden, dann bedeutet das in den Augen vieler…: Das sind doch keine Menschen mehr – das sind Tiere.“) oder ob er vor ökumenischen Veranstaltungen warnte wie dem gemeinsamen Kirchentag 2003 in Berlin, der bei den Gläubigen zu „großer Desorientierung“ führen und einen „Verwirrungsschub“ auslösen werde.
Jeden dieser unvergleichlichen Sätze habe ich aufgesogen und geliebt.

Und darum von meiner Seite an dieser Stelle zum Abschied noch einmal ein tiefempfundenes VIELEN DANK, JOACHIM!

PS:
Mein persönlicher Favorit unter seinen Sprüchen steht übrigens in seinem Geburtstagsbrief an den von ihm so verehrten Papst Benedikt, dem er seinerzeit mit den Worten gratulierte: „Wenn Jesus 80 Jahre alt geworden wäre, dann würde er aussehen wie Du.“

2 Kommentare

  1. Mitmensch

    Meine urkölsche Schwiegermutter würde sagen – wenn sie noch lebte -:
    „Jeder Jeck ist anders“

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